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#SchwangerOhneGewalt

Content-Hinweis: Diese Seite thematisiert sexualisierte Gewalt. Das Lesen kann belastend oder aufwühlend sein, insbesondere, wenn du selbst Gewalt erlebt hast oder davon betroffen bist. Achte gut auf dich. Du entscheidest selbst, ob und wann du weiterlesen möchtest. Wenn du Unterstützung brauchst, wende dich an eine der auf dieser Seite aufgeführten Unterstützungsstellen.

Der Begriff male gaze — der männ­li­che Blick — stammt aus der femi­nis­ti­schen Film- und Medientheorie. Geprägt wur­de er in den 1970er Jahren von der bri­ti­schen Filmwissenschaftlerin Laura Mulvey. Sie ana­ly­sier­te, wie weib­lich gele­se­ne Körper im Kino — und spä­ter auch in Werbung, Fotografie und sozia­len Medien – nicht als eigen­stän­dig han­deln­de Subjekte gezeigt wer­den, son­dern als Objekte eines Blicks: eines Blicks, der aus einem hete­ro­se­xu­ell-männ­li­chen Standpunkt her­aus kon­stru­iert ist. Und der weib­lich gele­se­ne Körper kon­trol­liert, bewer­tet und sexualisiert.

Dieser Blick ist weder rein visu­ell, noch neu­tral, son­dern sozi­al, poli­tisch und kul­tu­rell ver­an­kert. Er setzt vor­aus, dass jemand schaut – und jemand ande­res ange­schaut wird. Und er basiert auf einem Machtgefälle, das seit Jahrhunderten wirkt und sich fort­setzt: Männer bli­cken, Frauen wer­den betrach­tet. Hierbei geht es um nichts Geringeres als Macht.

  • Mulvey beschrieb die­se Blickordnung nicht als ästhe­ti­sche Laune, son­dern als Ausdruck und Symptom patri­ar­cha­ler Machtverhältnisse:
  • Ein System, das weib­lich gele­se­ne Körper nor­miert, sexua­li­siert, bewer­tet und ver­füg­bar macht.
  • Ein System, das den Wert von Frauen an Attraktivität, Reproduktionsfähigkeit und Anpassung misst.
  • Ein System, das Kontrolle über weib­lich gele­se­ne Körper aus­übt und damit auch über ihre Darstellung, ihre Handlungsfähigkeit, ihre Selbstwahrnehmung und Würde.

Was das mit Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett zu tun hat? 

Einfach alles.

Der männ­li­che Blick prägt, wie wir über schwan­ge­re Körper spre­chen, wie wir sie zei­gen, wie wir ihnen begeg­nen, wie wir mit ihnen umge­hen. Er sexua­li­siert Körper, die schwan­ger sind, gebä­ren und gebo­ren haben. Und er per­ver­tiert Intimität in Objektivierung, Fürsorge in Beurteilung, medi­zi­ni­sche Begleitung in Kontrolle.

Wenn über den Körper einer schwan­ge­ren, gebä­ren­den Person ver­fügt, geur­teilt und Macht aus­ge­übt wird, dann ist das Gewalt – auch wenn sie ver­harm­lost, baga­tel­li­siert oder nor­ma­li­siert wird.
Wenn Kommentare über Körperveränderungen („Die Brüste wer­den ja immer schö­ner“ /​„Hast du schon mal an ein Mommy Makeover gedacht?“) geäu­ßert wer­den, dann ist das Gewalt.
Wenn Druck auf­ge­baut wird, inti­me Informationen zu tei­len („Haben Sie noch Sex?“ /​„Ihr Partner freut sich doch, wenn Sie wie­der…“), die medi­zi­nisch irrele­vant sind, dann ist das Gewalt.

All die­se Ausdrucksformen sexua­li­sier­ter Gewalt bedie­nen den­sel­ben Mechanismus, bzw. ver­fol­gen das­sel­be Ziel: Macht über einen Körper, der nicht als Subjekt, son­dern als Objekt wahr­ge­nom­men wird.

Der male gaze ist also eine Brille, durch die unser gesam­tes Verständnis von Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett mit geprägt ist.
Er schreibt sich fort in Medienbildern, Alltagspraktiken und formt auch (und das ist zen­tral) wie Schwangere und Gebärende sich selbst sehen (kön­nen).

Wer diese Dynamik erkennt, versteht:

Es reicht nicht, auf kon­kre­te Übergriffe und Grenzverletzungen zu reagie­ren.
Wir müs­sen die Strukturen in Frage stel­len, die die­se mög­lich machen.

In die­sem Sinne: Take down the patriarchy.

Autorin: Nadine Birner

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