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#SchwangerOhneGewalt

Content-Hinweis: Diese Seite thematisiert sexualisierte Gewalt. Das Lesen kann belastend oder aufwühlend sein, insbesondere, wenn du selbst Gewalt erlebt hast oder davon betroffen bist. Achte gut auf dich. Du entscheidest selbst, ob und wann du weiterlesen möchtest. Wenn du Unterstützung brauchst, wende dich an eine der auf dieser Seite aufgeführten Unterstützungsstellen.

Schwangere Frau liegt mit geschlossenen Augen auf einem Sofa und hält beide Hände auf ihrem Bauch, Schwarz-Weiß-Fotografie

Was ist sexualisierte Gewalt in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett?

Gewalt in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett hat vie­le Gesichter. 

Wenn über Gewalt rund um Schwangerschaft und Geburt gespro­chen wird, geht es häu­fig um soge­nann­te obste­tri­sche Gewalt: feh­len­de Aufklärung, ent­wür­di­gen­de Kommunikation oder die Missachtung von Selbstbestimmung. Doch es geht nicht nur um die­se Form oder kör­per­li­che Gewalt, son­dern um die Ausübung von Macht über Körper. Sexualisierte Gewalt zeigt sich dabei ver­bal, non­ver­bal und physisch.

Doch Gewalt beginnt nicht erst im Kreißsaal und endet nicht mit der Geburt. Betroffene erle­ben auch Kontrolle, psy­chi­schen Druck, Abwertung, Schuldzuweisungen oder gesell­schaft­li­che Erwartungen, die ihre Handlungsspielräume ein­schrän­ken. Studien und Berichte zei­gen: Grenzverletzungen und Gewalterfahrungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett kom­men auch in Deutschland vor. Gleichzeitig bleibt vie­les unsicht­bar, weil Erfahrungen nicht benannt, nicht erkannt oder nicht ernst genom­men werden.

Deshalb braucht es Aufklärung, Unterstützung und Veränderung.

Betroffene schweigen oft — aus Scham, Angst und fehlender Sprache.

Sexualisierte Gewalt in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ist auch heu­te noch unter­forscht, tabui­siert und scham­be­setzt. Vaginale Untersuchungen ohne Ankündigung, abwer­ten­de Kommentare über Körper und Sexualität, Eingriffe ohne Einwilligung, all das wird im Praxis- und Klinikalltag oft als Routine bezeich­net und nicht als das, was es ist: Gewalt. Viele Betroffene fra­gen sich jah­re­lang, ob sie sich das nur ein­bil­den, ob sie zu emp­find­lich sind, ob sie die Einzigen sind, die das erle­ben.
Die Antwort ist klar: Nein.

Du bil­dest dir dei­ne Erfahrung nicht ein. Du bist nicht zu emp­find­lich. Und du bist nicht allein. Wer Grenzverletzungen oder Gewalt erlebt hat, hat das Recht, die­se Erfahrungen zu benen­nen – und das Recht auf Unterstützung.

Genau hier set­zen wir an: Wir infor­mie­ren, benen­nen und adres­sie­ren. Wir schaf­fen Wissen, machen Unsichtbares sicht­bar und stär­ken Menschen dar­in, ihre Erfahrungen ein­zu­ord­nen und Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.

Damit aus Schweigen Sprache wird. Aus Scham Klarheit. Und aus Ohnmacht Selbstwirksamkeit.

Zahlen und Studien

44 %

der Frauen erle­ben laut WHO welt­weit Gewalt in der Geburtshilfe.

30 %

der Frauen in Deutschland erle­ben laut EU-Studie 2024 ver­ba­le oder phy­si­sche Gewalt oder Vernachlässigung unter der Geburt.

42,8 %

berich­ten von Eingriffen ohne Einwilligung, etwa Dammschnitt, Untersuchungen oder Fruchtblaseneröffnung.

Quellen: WHO-Erklärung 2014, EU-Studie „Obstetric and gynae­co­lo­gi­cal vio­lence in the EU“ (2024), Repräsentativstudie Psychologische Hochschule Berlin.

Die 8 Formen, die du kennen solltest

1. Sexismus und Stereotype

Schwangere und gebä­ren­de Personen erle­ben oft Erwartungen und Zuschreibungen, die ihre Selbstbestimmung ein­schrän­ken. Vorstellungen davon, wie eine „gute Mutter” oder eine „rich­ti­ge Geburt” aus­zu­se­hen hat, füh­ren dazu, dass Bedürfnisse, Grenzen und Entscheidungen weni­ger ernst genom­men wer­den. Das zeigt sich in ganz unter­schied­li­chen Formen.

2. Psychische Gewalt und Verharmlosung 

Psychische Gewalt ent­steht, wenn Gefühle, Schmerzen, Ängste oder Erfahrungen nicht aner­kannt, her­un­ter­ge­spielt oder abge­wer­tet wer­den — zum Beispiel durch Sätze wie:

  • „Da müs­sen Sie jetzt durch.”
  • „Das ist doch ganz normal.”
  • „Andere schaf­fen das auch.”

3. Einschüchterung, Druck und Schuldzuweisung

Aus Abwertungen wird schnell mehr als ein ein­zel­ner Satz. Druck ent­steht, wenn Angst, Schuldgefühle oder Abhängigkeiten genutzt wer­den, um Entscheidungen zu beein­flus­sen. Die betrof­fe­ne Person fühlt sich gezwun­gen, ver­un­si­chert – oder wird für Folgen ver­ant­wort­lich gemacht, die nicht allein in ihrer Verantwortung liegen.

4. Machtmissbrauch und Bevormundung

Wo Druck sys­te­ma­tisch ein­ge­setzt wird, ent­steht dar­aus Machtmissbrauch: wenn Fachwissen, Hierarchien, Loyalität oder Abhängigkeiten genutzt wer­den, um Kontrolle über eine Person aus­zu­üben. Die betrof­fe­ne Person erlebt, dass über sie ent­schie­den wird — statt mit ihr.

5. Grenzverletzungen und Objektifizierung

Diese Kontrolle macht auch vor dem Körper nicht halt. Der eige­ne Körper bleibt auch wäh­rend Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett selbst­be­stimmt. Wird die­se Grenze über­schrit­ten oder die Person wie ein Objekt behan­delt, han­delt es sich um eine Form sexua­li­sier­ter Gewalt.

6. Verletzung von Würde und Privatsphäre

Geburt ist eine hoch­pri­va­te Situation. Würde bedeu­tet, in die­ser Situation nicht zum Objekt einer Untersuchung oder Behandlung zu wer­den. Wird das miss­ach­tet, füh­len sich Betroffene aus­ge­lie­fert, beschämt oder ungeschützt.

7. Fehlende Unterstützung und Anerkennung

Doch Gewalt zeigt sich nicht nur in dem, was pas­siert, son­dern auch in dem, was aus­bleibt. Auch das Unterlassen von Schutz und Unterstützung kann ver­let­zend sein — ins­be­son­de­re bei vor­her­ge­gan­ge­nen trau­ma­ti­schen Erlebnissen. Betroffene blei­ben mit belas­ten­den Erfahrungen, Ängsten oder Folgen allein.

8. Institutionelle und strukturelle Gewalt

Oft liegt die Ursache gar nicht nur bei Einzelnen, son­dern im System selbst: Gewalt wird häu­fig durch Systeme und Rahmenbedingungen begüns­tigt. Menschen erle­ben, dass ihre Bedürfnisse hin­ter Abläufen und Vorgaben zurückstehen.

Rechtliche Lage 2026

Im Januar 2026 erklär­te die Bundesregierung, kei­ne wei­te­ren Verbesserungen in der Geburtshilfe vor­zu­neh­men, obwohl die WHO seit 2014 struk­tu­rel­le Maßnahmen fordert.

Als Reaktion berei­tet der Verein Gerechte Geburt e.V. für das ers­te Quartal 2026 eine Verfassungsbeschwerde vor, um die Wahrung der Grundrechte in Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ver­fas­sungs­recht­lich prü­fen zu las­sen. Wir beob­ach­ten die­se Entwicklung und hal­ten euch auf LinkedIn auf dem Laufenden.

Brauchst du oder jemand in deinem Umfeld Unterstützung?

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