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#SchwangerOhneGewalt

Content-Hinweis: Diese Seite thematisiert sexualisierte Gewalt. Das Lesen kann belastend oder aufwühlend sein, insbesondere, wenn du selbst Gewalt erlebt hast oder davon betroffen bist. Achte gut auf dich. Du entscheidest selbst, ob und wann du weiterlesen möchtest. Wenn du Unterstützung brauchst, wende dich an eine der auf dieser Seite aufgeführten Unterstützungsstellen.

Der Husband Stitch ist Vieles — sexua­li­sier­te Gewalt, geburts­hilf­li­che Gewalt, patri­ar­cha­le Gewalt, Genitalverstümmelung, schwe­re Traumatisierung, ein kör­per­li­cher Angriff auf die Unversehrtheit und die Würde eines Menschen — aber eines ganz sicher nicht: ein Kavaliersdelikt. 

Bei einer vagi­na­len Geburt kann der Damm, also das Gewebe zwi­schen Vaginalausgang und Anus rei­ßen. Manchmal wird der Damm bei der Geburt auch ein­ge­schnit­ten, damit er nicht unkon­trol­liert reißt (was aller­dings eine unter Mediziner*innen umstrit­te­ne Maßnahme ist und laut aktu­el­ler S3-Leitlinie nur bei kla­rer medi­zi­ni­scher Indikation ange­wandt wer­den darf). 

Es ist gän­gi­ge Praxis, nach der Geburt die Wunde wie­der zuzu­nä­hen. Doch immer wie­der wird enger genäht, als medi­zi­nisch nötig wäre. Und das ohne medi­zi­ni­sche Notwendigkeit, geschwei­ge denn infor­mier­te Aufklärung und Entscheidung der betrof­fe­nen Person. Nicht sel­ten sogar, ohne dass die betrof­fe­ne Person über­haupt davon erfährt.

Diese Praxis wird Husband Stitch, oder auch Daddy Stitch genannt; sie wird oft kom­men­tar­los vom medi­zi­ni­schen Personal vor­ge­nom­men, mit der Begründung, die vagi­na­le Öffnung (die ana­to­misch kor­rekt vagi­na­ler Ausgang hei­ßen muss) für den pene­tra­ti­ven Geschlechtsverkehr „enger“ zu machen und nicht sel­ten auch ohne Inkenntnissetzung des Partners der betrof­fe­nen Person. 

Der Husband Stitch ist ein dras­ti­sches Beispiel für patri­ar­cha­le Strukturen und Praktiken, in denen weib­lich gele­se­ne Körper objek­ti­viert und zur Befriedigung und Lustgewinnung geformt und nach einem bestimm­ten Ideal nor­miert wer­den. Eine Naht, die nicht der Heilung dient, son­dern sexu­el­len Vorlieben ande­rer, ver­letzt nicht nur das kör­per­li­che Selbstbestimmungsrecht der Gebärenden, son­dern auch die kör­per­li­che Unversehrtheit, Würde und Integrität der betrof­fe­nen Person.

Um es auf einen unmiss­ver­ständ­li­chen Punkt zu bringen: 

Der Husband Stitch ist eine radi­ka­le Ausformung sexua­li­sier­ter, patri­ar­cha­ler Gewalt gegen­über weib­lich gele­se­nen Körpern.

Autorin: Nadine Birner 

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