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#SchwangerOhneGewalt

Content-Hinweis: Diese Seite thematisiert sexualisierte Gewalt. Das Lesen kann belastend oder aufwühlend sein, insbesondere, wenn du selbst Gewalt erlebt hast oder davon betroffen bist. Achte gut auf dich. Du entscheidest selbst, ob und wann du weiterlesen möchtest. Wenn du Unterstützung brauchst, wende dich an eine der auf dieser Seite aufgeführten Unterstützungsstellen.

Ich möchte nicht den Teufel an die Wand malen. Ich möchte nur – ritsch ratsch – eine toxische Fratze des Patriarchats zerreißen. 

Ich höre die skep­ti­schen, die kri­ti­schen Kommentare unter mei­nem letz­ten Beitrag zum After Baby Body schon, bevor ich sie lese: Was soll dar­an so schlimm sein? Jede Frau möch­te doch nach der Schwangerschaft und Geburt wie­der so aus­se­hen wie davor, das ist doch ihr gutes Recht. Gewalt da mit rein­zu­brin­gen, ist doch völ­lig über­trie­ben – kön­nen wir die Kirche im Dorf lassen? 

Nein, wir kön­nen die Kirche nicht im Dorf las­sen, aber Butter bei die Fische: After Baby Body und sexua­li­sier­te Gewalt in einem Atemzug zu nen­nen, mag unge­wohnt und befremd­lich anmu­ten, was es jedoch nicht weni­ger berech­tigt oder gar rich­tig macht. Warum sich vie­le dar­an sto­ßen, erklärt sich hiermit: 

  1. Wir leben in einer patri­ar­chal gepräg­ten Gesellschaft, in der sexua­li­sier­te Gewalt zum Alltag gehört. Wenn jemand unge­fragt den Bauch einer Schwangeren berührt. Wenn stil­len­de Menschen in der Öffentlichkeit sexua­li­siert oder beschämt wer­den. Wenn Werbung den Körper nach der Geburt als etwas dar­stellt, das repa­riert oder opti­miert wer­den muss, aka After Baby Body. 
  2. Wir ler­nen von ganz klein auf, dass weib­lich gele­se­ne Körper auch immer Allgemeingut und Projektionsfläche sind. Sie wer­den kom­men­tiert, bewer­tet, kon­trol­liert, fremd­be­stimmt. Sie sol­len für die Bedürfnis‑, Wunsch‑, und Erwartungsbefriedigung ande­rer funktionieren.
  3. Wir haben unser Leben lang die Information gefüt­tert bekom­men, dass all das nichts mit sexua­li­sier­ter Gewalt zu tun hat. Uns wur­de früh ver­mit­telt, dass vie­les, was tat­säch­lich Gewalt ist, harm­los sei, nor­mal, „ist halt so“. Mit der Zeit sickert das ein. Und irgend­wann fühlt es sich selbst­ver­ständ­lich an, wenn weib­lich gele­se­ne Körper ver­füg­bar gemacht, kom­men­tiert, ver­ein­nahmt wer­den, oder mit kla­ren Worten: instru­men­ta­li­siert, aus­ge­beu­tet, fremdbestimmt.


Dieses System funk­tio­niert, weil wir es nicht mehr sehen, weil sexua­li­sier­te Gewalt nor­ma­li­siert und damit unsicht­bar gemacht wird. Aber Normalität macht Gewalt nicht weni­ger gewalt­voll. Sie macht sie nur unsichtbarer. 

Es kos­tet jede Menge Anstrengung und Kraft, genau hin­zu­se­hen, das ver­meint­lich “Normale” zu demas­kie­ren und exakt zu benen­nen, was wirk­lich Sache ist. Gute Fragen, um sexua­li­sier­ter Gewalt auf die Spur zu kom­men und das eige­ne kri­ti­sche Hinterfragen zu trai­nie­ren sind: Wem dient die­se Darstellung? Wer hat Nutzen? Wer pro­fi­tiert davon und wer ver­liert etwas?

Dieses Hinterfragen und Verlernen ist kein ein­fa­cher Prozess, denn unse­re Prägungen sit­zen tief. Aber wer jetzt beim Lesen die­ses Beitrags schon merkt: Da ist was dran – und anfängt, die eige­ne Wahrnehmung zu schär­fen, macht schon einen rie­sen­gro­ßen Unterschied.

Autorin: Nadine Birner

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