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#SchwangerOhneGewalt

Content-Hinweis: Diese Seite thematisiert sexualisierte Gewalt. Das Lesen kann belastend oder aufwühlend sein, insbesondere, wenn du selbst Gewalt erlebt hast oder davon betroffen bist. Achte gut auf dich. Du entscheidest selbst, ob und wann du weiterlesen möchtest. Wenn du Unterstützung brauchst, wende dich an eine der auf dieser Seite aufgeführten Unterstützungsstellen.

Triggerwarnung: Dieser Beitrag the­ma­ti­siert Gaslighting, Grenzverletzungen und belas­ten­de Erfahrungen in Schwangerschaft, Geburt und Geburtshilfe.

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett gehö­ren zu den ver­letz­lichs­ten Phasen im Leben eines Menschen. Viele ver­bin­den die­se Zeit mit Fürsorge, Sicherheit und Vertrauen. Doch genau dort, wo Menschen beson­ders auf Unterstützung ange­wie­sen sind, kön­nen auch Erfahrungen von Grenzverletzungen, Machtmissbrauch und psy­chi­scher Manipulation entstehen. 

Gaslighting und Grenzverletzungen in Schwangerschaft und Geburtshilfe pas­sie­ren häu­fi­ger, als vie­le den­ken — und trotz­dem blei­ben sie oft unsichtbar.

Was bedeutet Gaslighting?

Gaslighting bezeich­net eine Form psy­chi­scher Manipulation, bei der die Wahrnehmung, die Gefühle oder Erinnerungen eines Menschen gezielt infra­ge gestellt, ver­dreht oder ent­wer­tet werden.

Gerade im medi­zi­ni­schen Kontext kann dies beson­ders schwer­wie­gend sein, weil ein bestehen­des Machtgefälle hin­zu­kommt: Fachpersonen ver­fü­gen über medi­zi­ni­sches Wissen, wäh­rend Betroffene sich in einer kör­per­lich und emo­tio­nal außer­ge­wöhn­li­chen Situation befinden.

Gaslighting kann sich bei­spiels­wei­se durch Aussagen zei­gen wie:

  • „Das haben Sie falsch verstanden.“
  • „Das ist doch ganz normal.“
  • „Jetzt stel­len Sie sich nicht so an.“

Oder:

  • „Das müs­sen Sie aushalten.“
  • „Andere Frauen schaf­fen das auch.“
  • „Sie woll­ten das doch so.“

Solche Aussagen wir­ken manch­mal wie klei­ne Kommentare am Rande. Doch in Situationen wie Schwangerschaft, Geburt oder Wochenbett kön­nen sie die eige­ne Wahrnehmung mas­siv erschüttern.

Denn wenn Menschen wie­der­holt hören, dass ihre Gefühle, Schmerzen oder Grenzen nicht stim­men, begin­nen sie häu­fig, sich selbst zu hinterfragen.

Wie zeigen sich Grenzverletzungen und Gaslighting in der Geburtshilfe?

Grenzverletzungen begin­nen oft dort, wo die Selbstbestimmung eines Menschen nicht mehr ernst genom­men wird.

Typische Formen kön­nen sein:

1. Entwertung von Schmerz, Angst oder Gefühlen
Wenn Beschwerden her­un­ter­ge­spielt wer­den oder Betroffene das Gefühl bekom­men, „zu emp­find­lich“ zu sein.

2. Übergehen, Ignorieren oder Umdeuten per­sön­li­cher Grenzen
Wenn ein Nein nicht gehört wird, Einwände nicht ernst genom­men wer­den oder Entscheidungen über den eige­nen Körper getrof­fen wer­den, ohne aus­rei­chend einzubeziehen.

3. Schuldumkehr
Wenn Verantwortung ver­scho­ben wird und Betroffene ver­mit­telt bekom­men, sie sei­en selbst schuld an einer Situation („Sie woll­ten das doch so.“).

4. Unsichtbarmachen von Gewalt
Wenn belas­ten­de Erfahrungen nor­ma­li­siert oder ver­gli­chen wer­den („Andere haben das auch durchgestanden.“).

5. Infragestellen der eige­nen Wahrnehmung
Wenn Betroffene nach einer Situation nicht wis­sen, ob ihre Gefühle berech­tigt sind oder ob sie „über­trei­ben“.

Warum werden solche Erfahrungen oft nicht erkannt?

Viele Grenzverletzungen wer­den erst spät oder gar nicht als sol­che erkannt.

Das hat ver­schie­de­ne Gründe:

  • Es besteht ein star­kes Machtgefälle zwi­schen medi­zi­ni­schem Personal und Patient*innen.
  • Gesellschaftliche Vorstellungen ver­mit­teln, dass Schwangere und Gebärende Schmerzen „aus­hal­ten“ müssen.
  • Viele Menschen haben nie gelernt, über ihre Rechte, Grenzen und Einwilligung in medi­zi­ni­schen Situationen zu sprechen.
  • Es feh­len häu­fig Begriffe, Austauschmöglichkeiten und siche­re Räume für Reflexion.

Besonders Menschen mit frü­he­ren Traumaerfahrungen kön­nen durch sol­che Situationen stark belas­tet oder retrau­ma­ti­siert werden.

Doch auch ohne vor­he­ri­ge Traumaerfahrung kön­nen Grenzverletzungen tie­fe Spuren hinterlassen.

Die Folgen können schwerwiegend sein

Wenn Menschen erle­ben, dass ihre Wahrnehmung nicht zählt oder ihre Grenzen über­schrit­ten wer­den, kann das lang­fris­ti­ge Auswirkungen haben:

  • Gefühl von Kontrollverlust
  • Selbstzweifel und Misstrauen gegen­über der eige­nen Wahrnehmung
  • Retraumatisierung
  • Angst vor wei­te­ren Schwangerschaften oder medi­zi­ni­schen Situationen
  • Vertrauensverlust in medi­zi­ni­sche Fachpersonen
  • Körperliche und psy­chi­sche Langzeitbelastungen

Eine Geburtserfahrung endet nicht auto­ma­tisch mit der Geburt. Was Menschen erle­ben, kann sie noch lan­ge begleiten.

Was brauchen wir für Veränderung?

Eine siche­re Geburtshilfe ent­steht nicht allein durch medi­zi­ni­sches Wissen. Sie braucht auch Haltung, Reflexion und Respekt.

  • Fachkräfte brau­chen trau­ma­sen­si­ble Kommunikation, trans­pa­ren­te Aufklärung und kon­se­quen­te Einwilligungsprozesse.
  • Teams brau­chen Räume für Supervision, Reflexion und eine kri­ti­sche Auseinandersetzung mit Macht, Hierarchien und Routinen.
  • Gesellschaftliche Stereotype über Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett müs­sen hin­ter­fragt werden.
  • Betroffene brau­chen Anerkennung, Unterstützung und nied­rig­schwel­li­ge Anlaufstellen.

Denn Grenzen zu ach­ten ist kei­ne frei­wil­li­ge Zusatzleistung. Grenzen zu wah­ren ist pro­fes­sio­nel­le Verantwortung. Und dar­über zu spre­chen ist ein wich­ti­ger Schritt, damit sich etwas ver­än­dern kann.

Autorin: Verena Arps-Roelle

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